Witten liegt topografisch anders als das übrige Ruhrgebiet: Zwischen dem höchsten Punkt am Arenberg auf 269 Metern und der tiefsten Stelle auf 71 Metern liegen fast 200 Höhenmeter – auf einer Fläche von nur 72 Quadratkilometern. Diese Hanglagen bestimmen, welche Schäden hier auftreten: Schichtenwasser, das seitlich gegen Kelleraußenwände drückt, Drainagen, die nie funktioniert haben, und Abdichtungen, die für stehendes statt für drückendes Wasser ausgelegt wurden.
Der zweite Wittener Sonderfall ist der Untergrund. Im Muttental begann der Ruhrbergbau – erste Erwähnungen von 1552, zeitweise 60 Kleinzechen, Ende 1965. Das war überwiegend oberflächennaher Stollenbergbau, nicht der tiefe Abbau mit großflächigen Senkungen. Die Folge ist ein anderes Risiko: Tagesbrüche aus verlassenen, oft holzgesicherten Grubenbauen.
Wir begutachten in Witten die vollständige technische Gebäudeausrüstung und die Bauwerksabdichtung – und ordnen ein, ob ein Schadensbild zur Topografie, zum Untergrund oder zur Ausführung passt.
Der höchste Punkt Wittens liegt am Arenberg bei 269 Metern über Normalhöhennull, der tiefste an der Wittener Straße östlich des Bahnhofs Blankenstein bei 71 Metern. Diese Spreizung auf engem Raum ist der Grund, aus dem in Witten überdurchschnittlich viele Feuchteschäden auf Hangwasser zurückgehen statt auf Grundwasser. Eine Innenabdichtung, die gegen Bodenfeuchte ausgelegt ist, hält seitlich eindringendem Schichtenwasser nicht stand – und genau diese Verwechslung führt dazu, dass Sanierungen wirkungslos bleiben und der Schaden nach dem nächsten Starkregen zurückkehrt.
Amtliche Höhenangaben Stadtgebiet Witten
Stollenbergbau statt Bergsenkung
Im Wittener Muttental liegt die Wiege des Ruhrbergbaus: erste Erwähnungen des Kohleabbaus 1552 und 1578, zeitweise 60 Kleinzechen, der Bergbauwanderweg dokumentiert auf neun Kilometern über 30 Zeugnisse. Die Zeche Nachtigall arbeitete bis 1832 im Stollenbau, bevor sie zum Tiefbau überging; im Muttental endete der Bergbau 1965. Fachlich bedeutet das: Das Risiko liegt nicht in großflächigen Senkungen, sondern in Tagesbrüchen über verlassenen oberflächennahen Grubenbauen. Landesweit sind rund 31.000 Tagesöffnungen erfasst, seit Mitte der 1960er Jahre wurden rund 3.700 Tagesbrüche registriert. Ist kein Bergwerkseigentümer ermittelbar, trägt das Land NRW die Sicherung.
84,9 Prozent Gasheizung – der höchste Wert der Region
Der Zensus 2022 weist für Witten 17.544 Wohngebäude und 50.591 Wohnungen aus. 42,7 Prozent der Gebäude stammen aus den Jahren 1949 bis 1978, weitere 15,2 Prozent von vor 1919. Auffällig ist die Heizstruktur: 84,9 Prozent der Wohnungen werden mit Gas beheizt – deutlich mehr als in den Nachbarstädten. Bei einer Umstellung auf Wärmepumpe trifft dieser Bestand auf ein Problem: Gasheizungen wurden über Jahrzehnte mit hohen Vorlauftemperaturen betrieben, die vorhandenen Heizflächen sind entsprechend klein bemessen. Ohne neue Heizlastberechnung und ohne Prüfung der Heizflächen führt der Wechsel regelmäßig zu Anlagen, die im Winter nicht tragen.
Zensus 2022, Stichtag 15.05.2022
Juli 2021: 120 Liter in 24 Stunden
Am 13. und 14. Juli 2021 fielen in Witten fast 120 Liter Niederschlag je Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden. Die Feuerwehr rückte zu rund 400 Einsätzen aus, an der Ruhr wurde evakuiert, das gesamte Stadtgebiet war großflächig überflutet. Seither hat die Stadt 423 Starkregenberatungen durchgeführt. Die Starkregengefahrenkarte im Geoportal bildet den Starkregenindex 7 ab – ein Ereignis, das statistisch alle hundert Jahre auftritt. Amtlich benannte Hochwasserbrennpunkte sind die Insel Lake in Herbede und der Bereich Wittener Straße mit Rückstau aus der Ruhr.
Stadt Witten, Bilanz zum Hochwasser Juli 2021; HWRM-Kommunensteckbrief Witten, Stand Dezember 2021
Örtliche Vorschrift
Rückstausicherung in Witten
§ 13 Nr. 6 der Entwässerungssatzung der Stadt Witten vom 10.12.2003
Jeder Anschlussnehmer hat sich durch eigene Maßnahmen nach den geltenden technischen Normen gegen Rückstau aus der öffentlichen Abwasseranlage zu schützen – etwa durch automatisch arbeitende Absperrvorrichtungen oder Abwasserhebeanlagen. Alle Entwässerungsgegenstände unterhalb der Rückstauebene sind nach DIN EN 12056 zu sichern; Wasser, das oberhalb der Rückstauebene anfällt, darf nicht über die Rückstausicherung geführt werden.
Rückstauebene
In Witten gilt als Rückstauebene die Straßenoberkante.
Haftung
§ 21 Nr. 3 stellt klar, dass die Stadt nicht für Schäden haftet, die dadurch entstehen, dass vorgeschriebene Rückstausicherungen nicht vorhanden sind oder nicht ordnungsgemäß funktionieren.
Wo wir arbeiten und wer zuständig ist
Stadtteile und Bezirke
Witten-Mitte
Annen
Herbede
Bommern
Heven
Stockum
Rüdinghausen
Gutachten und Planprüfungen übernehmen wir auf Anfrage auch bundesweit.
Zuständige Bauaufsicht
Bauordnungsamt der Stadt Witten, untere Bauaufsichtsbehörde
Witten ist Große kreisangehörige Stadt und damit selbst untere Bauaufsichtsbehörde; obere Bauaufsichtsbehörde ist der Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises. Die Trinkwasserüberwachung liegt beim Ennepe-Ruhr-Kreis.
Häufige Fragen aus Witten
Mein Keller ist feucht, das Haus liegt am Hang. Was ist die Ursache?+
In Wittener Hanglagen ist seitlich eindringendes Schichtenwasser die häufigste Ursache – nicht aufsteigende Feuchte und nicht drückendes Grundwasser. Die Unterscheidung ist entscheidend, weil die Instandsetzungsverfahren völlig verschieden sind: Eine Horizontalsperre wirkt gegen kapillaren Transport von unten und richtet gegen Hangwasser nichts aus. Wir stellen fest, welche Wasserbeanspruchung tatsächlich vorliegt.
Wir wohnen in Bommern nahe dem Muttental. Ist ein Riss ein Bergschaden?+
Möglich, aber nicht automatisch. In Witten dominierte der oberflächennahe Stollenbergbau, das Risiko sind Tagesbrüche über verlassenen Grubenbauen – nicht großflächige Senkungen. Die gesetzliche Bergschadensvermutung nach § 120 BBergG greift nur im Einwirkungsbereich und gilt ausdrücklich nicht, wenn ein Baumangel als Ursache in Betracht kommt. Ob Ihr Grundstück betroffen ist, klärt die Bezirksregierung Arnsberg grundstücksbezogen für 30 Euro.
Wir wollen von Gas auf Wärmepumpe umstellen. Was sollten wir vorher prüfen?+
Die Heizlast und die vorhandenen Heizflächen. In Witten werden 84,9 Prozent der Wohnungen mit Gas beheizt, meist mit hohen Vorlauftemperaturen – die Heizkörper sind entsprechend klein bemessen. Eine Wärmepumpe arbeitet nur bei niedriger Vorlauftemperatur wirtschaftlich. Ohne raumweise Heizlastberechnung und Abgleich mit den Heizflächen ist die Auslegung ein Ratespiel.
Die Gewährleistung für unseren Neubau läuft bald ab. Lohnt eine Prüfung?+
Ja, und der richtige Zeitpunkt liegt im vierten Jahr. Die meisten Mängel an der Haustechnik haben sich bis dahin gezeigt, und es bleibt Zeit, sie schriftlich zu rügen. Häufige Befunde sind fehlende Einregulierungsprotokolle der Lüftung, ein nicht dokumentierter hydraulischer Abgleich und unvollständige Prüfprotokolle der Elektroanlage.
Sie haben in Witten einen Feuchteschaden in Hanglage, einen Riss unklarer Ursache oder eine Anlage, die nicht trägt? Wir stellen fest, woran es liegt – mit Messung, Rechnung und nachvollziehbarer Dokumentation.
Ihre Situation in Witten kurz schildern
Zwei Angaben genügen. Wir sagen Ihnen, ob und wie wir helfen können, was das kostet und wie schnell es geht.