Unna unterscheidet sich baulich vom Kernruhrgebiet, und das steht ausdrücklich in der eigenen Denkmalbereichssatzung: Wegen der geringen Kriegszerstörungen wird das Altstadtbild bis heute durch die Bauphasen von Gotik bis Historismus geprägt. Bis ins mittlere 19. Jahrhundert dominierte fast ausschließlich der Fachwerkbau. Das Altstadtareal umfasst nur rund 17,5 Hektar – eine dichte, historisch gewachsene Substanz mit entsprechend heiklen bauphysikalischen Verhältnissen.
Im Norden der Stadt, in Königsborn und Massen, liegt dagegen typische Ruhrgebietsstruktur mit Zechensiedlungen aus der Zeit um 1900. Zwei verschiedene Bauwelten in einer Stadt – und zwei verschiedene Schadensbilder.
Wir begutachten in Unna die technische Gebäudeausrüstung und die Ursachen von Feuchteschäden. Gerade hier zeigt sich, warum eine Feststellung vor der Zuordnung stehen muss.
Der Fall Hortensienweg: warum die naheliegende Vermutung falsch war
Zum Jahreswechsel 2023/24 mussten in Unna-Königsborn rund zwanzig Häuser evakuiert werden – plötzliche Risse und Setzungen an mehreren Gebäuden. Königsborn war Standort der Zeche Königsborn, die Vermutung eines Bergschadens lag nahe. Ein Fachmann der Bezirksregierung Arnsberg schloss einen Bergbauzusammenhang noch am Neujahrswochenende ausdrücklich aus. Das städtische Baugrundgutachten nannte eine andere Ursache: Dauerregen und hoher Grundwasserstand, ein schluffiger Untergrund, der bei Wassersättigung seine Tragfähigkeit verliert. Eine Kamerabefahrung am 2. Januar 2024 zeigte zusätzlich Bodeneintrag aus privaten Hausanschlüssen – Bodenerosion unter den Kellern. Kein Fall aus unserer Praxis zeigt besser, warum die Feststellung der Ursache vor jeder Zuordnung stehen muss.
Stadt Unna, Baugrundgutachten und Kamerabefahrung Januar 2024; Bezirksregierung Arnsberg
Fachwerk-Altstadt auf 17,5 Hektar
Die Denkmalbereichssatzung „Altstadt Unna“ vom 11. Februar 2002 beschreibt die Besonderheit in eigenen Worten: Das Altstadtareal umfasst nur rund 17,5 Hektar, bis ins mittlere 19. Jahrhundert dominierte in Unna fast ausschließlich der Fachwerkbau als Sichtfachwerk oder verputzt, und wegen der geringen Kriegszerstörungen prägen die Bauphasen von Gotik bis Historismus das Bild bis heute. Geschützt sind Stadtgrundriss, Raumstruktur, Erscheinungsbild und Stadtsilhouette. Für die Haustechnik bedeutet das enge Grenzen: Leitungsführung, Lüftungskonzepte und Wärmeschutz müssen sich in eine Substanz einfügen, die nicht für sie gebaut wurde – und in der jede Feuchteveränderung unmittelbar bauphysikalische Folgen hat.
Denkmalbereichssatzung „Altstadt Unna“ vom 11.02.2002, §§ 2 und 3
Bergbau im Norden, dörfliche Struktur im Osten
Die Industrialisierung erreichte Unna ab 1870 über die Steinkohle in den heutigen Stadtteilen Massen, Billmerich, Ringebrauck und Königsborn. Die Zeche Königsborn förderte in Unna-Königsborn von 1874 bis 1966; in Bönen-Altenbögge lief der Abbau bis 1981. Für den Seseke-Raum sind Bergsenkungen dokumentiert – der Fluss wurde wegen Senkungen im Bereich der Schachtanlage kanalisiert. Im Norden finden sich Zechensiedlungen an Grillo-, Wilhelmine- und Hermannstraße sowie die Buderuskolonie in Massen von 1917/18. Die östlichen Hellwegdörfer sind dagegen dörflich geprägt. Ob ein konkretes Grundstück im Einwirkungsbereich liegt, beantwortet die Bezirksregierung Arnsberg grundstücksbezogen für 30 Euro.
Zeche Königsborn, Betriebszeiten; Bezirksregierung Arnsberg, Auskunft zur Bergschadensgefährdung
Starkregengefahrenkarte seit 2014, grundstücksscharf
Der Lippeverband hat für Unna bereits 2014 eine Starkregengefahrenkarte erstellt – simuliert wurde ein extremes, aber nicht unwahrscheinliches Ereignis von 90 Litern je Quadratmeter innerhalb einer Stunde. Dargestellt werden Fließwege und Überflutungen aus wild abfließendem Wasser, grundstücksscharf, in drei Fließtiefenklassen bis fünf Zentimeter, fünf bis fünfzig Zentimeter und fünfzig bis hundert Zentimeter. Die Kampagne „Stark gegen Starkregen“ läuft in Unna seit 2014. Beim Starkregen im Juli 2021 war unter anderem der Ortsteil Billmerich betroffen.
§ 18 der Abwassersatzung der Stadt Unna, ausgefertigt am 15.12.1995
Räume unterhalb der Rückstauebene, in denen ein Rückstau auftreten kann, müssen vom Grundstücksnutzungsberechtigten selbst nach den technischen Bestimmungen für Grundstücksentwässerungsanlagen gesichert sein. Jeder Anschlussberechtigte ist für Einbau, Unterhaltung und Wartung der Rückstausicherung selbst verantwortlich.
Rückstauebene
In Unna gilt als Rückstauebene die Straßenoberkante beziehungsweise Geländehöhe über der Anschlussstelle der Hausanschlussleitung an die öffentliche Abwasseranlage.
Haftung
Die Stadt haftet nicht für Schäden, die durch Rückstau entstehen oder auf eine nicht DIN-gerechte Ausführung der Grundstücksentwässerungsanlagen zurückzuführen sind. Ergänzend schließt § 20 Abs. 3 die Haftung aus, wenn Rückstausicherungen fehlen, normwidrig eingebaut wurden oder nicht ordnungsgemäß funktionieren.
Wo wir arbeiten und wer zuständig ist
Stadtteile und Bezirke
Unna-Mitte
Königsborn
Massen
Billmerich
Hemmerde
Lünern
Mühlhausen
Afferde
Gutachten und Planprüfungen übernehmen wir auf Anfrage auch bundesweit.
Zuständige Bauaufsicht
Bauordnungsamt der Kreisstadt Unna, untere Bauaufsichtsbehörde
Rathausplatz 1, 59423 Unna
Unna ist Große kreisangehörige Stadt und damit selbst untere Bauaufsichtsbehörde. Die Trinkwasserüberwachung liegt dagegen beim Fachbereich Gesundheit des Kreises Unna – ein Zuständigkeitsunterschied, der in der Praxis häufig zu Fehladressierungen führt.
Häufige Fragen aus Unna
Bei uns in Königsborn sind Risse aufgetreten. Ist das ein Bergschaden?+
Nicht automatisch – der Fall Hortensienweg zeigt das exemplarisch. Dort wurden zum Jahreswechsel 2023/24 rund zwanzig Häuser evakuiert, die Bergbauvermutung lag nahe, und die Bezirksregierung Arnsberg schloss sie ausdrücklich aus. Ursächlich waren Baugrundverhältnisse und Bodeneintrag aus privaten Hausanschlüssen. Wir prüfen das Schadensbild, den Baugrund und die Grundstücksentwässerung, bevor eine Zuordnung erfolgt.
Wir haben ein Fachwerkhaus in der Altstadt. Worauf müssen wir bei der Haustechnik achten?+
Auf die Feuchtebilanz. Fachwerk verträgt keine dichten Schichten auf der Innenseite und keine Dämmmaßnahmen, die den Taupunkt in die Konstruktion verlagern. Auch Lüftungskonzepte müssen zur Substanz passen. Hinzu kommt die Denkmalbereichssatzung, die Erscheinungsbild und Stadtgrundriss schützt – Außeneinheiten, Leitungsführungen und Dachdurchdringungen sind entsprechend abzustimmen.
Wer ist in Unna für Baugenehmigung und wer für Trinkwasser zuständig?+
Das sind zwei verschiedene Ebenen. Die Bauaufsicht liegt bei der Kreisstadt Unna selbst, weil sie Große kreisangehörige Stadt ist. Die Trinkwasserüberwachung liegt dagegen beim Fachbereich Gesundheit des Kreises Unna. Meldungen bei Überschreitung des technischen Maßnahmenwerts für Legionellen gehen an den Kreis, nicht an die Stadt.
Was kostet ein Gutachten in Unna?+
Das hängt vom Umfang ab: Anzahl der Gewerke, Größe der Anlage, ob gemessen oder nur gesichtet wird, und ob eine Nachrechnung gefordert ist. Schildern Sie uns kurz Ihren Fall – den Preis nennen wir Ihnen vorab verbindlich, bevor Sie sich entscheiden.
Sie haben in Unna einen Riss, einen Feuchteschaden oder eine Anlage, die nicht das leistet, was sie soll? Wir stellen die Ursache fest, bevor jemand über die Verantwortung spricht.
Ihre Situation in Unna kurz schildern
Zwei Angaben genügen. Wir sagen Ihnen, ob und wie wir helfen können, was das kostet und wie schnell es geht.