Hamm ist unter den Städten, in denen wir regelmäßig arbeiten, der einzige Ort, für den eine Behörde einen Bereich ausdrücklich als bergsenkungsgeprägt bezeichnet: Der Kommunensteckbrief der Hochwasserrisikomanagementplanung schreibt das wörtlich über Herringen. Auch der Abbau endete hier am spätesten – das Bergwerk Ost förderte bis zum 30. September 2010.
Diese Vorgeschichte wirkt bis heute in die Gebäudetechnik hinein. Wo Senkungen die natürliche Vorflut beseitigt haben, wird das Wasser gepumpt; fällt ein Pumpwerk aus oder wird ein seltenes Ereignis erreicht, staut sich das Wasser im Siedlungsgebiet. Für die Beurteilung von Feuchteschäden ist das ein anderer Ausgangspunkt als in einer Stadt mit natürlichem Gefälle.
Hinzu kommt eine ungewöhnliche Dichte an Zechensiedlungen – von der Alten Kolonie Radbod mit rund 1.700 Werkswohnungen bis zum Isenbecker Hof. Wir begutachten in Hamm die technische Gebäudeausrüstung und ordnen Schadensbilder dem ein, was der Untergrund und die Bausubstanz tatsächlich hergeben.
Herringen: amtlich als bergsenkungsgeprägt bezeichnet
Der Kommunensteckbrief der Hochwasserrisikomanagementplanung der Bezirksregierung Arnsberg beschreibt die Lage in Hamm-Herringen mit klaren Worten: Der Wiescher Bach wird über das Bachpumpwerk Hamm Herringen in die Lippe gehoben; bei selteneren Ereignissen oder bei Versagen des Pumpwerks werden weite Bereiche im Siedlungsgebiet überstaut – der Bereich ist bergsenkungsgeprägt. Das ist unter unseren acht Standorten der einzige Fall, in dem eine Behörde diese Formulierung schriftlich verwendet. Für Eigentümer bedeutet es: Die Entwässerung des Gebiets hängt an technischer Förderung, nicht am natürlichen Gefälle. Auch Bockum-Hövel ist betroffen – der Radbodsee entstand in einer senkungsbedingten Hohlform und liegt tiefer als die Lippe.
HWRM-Kommunensteckbrief Hamm, Bezirksregierung Arnsberg, Stand Dezember 2021
Das jüngste Abbauende der Region: 30. September 2010
Das Bergwerk Ost – ein Verbund aus Haus Aden, Monopol und Heinrich-Robert mit Hauptstandort Wiescherhöfen – förderte bis zum 30. September 2010 aus Tiefen zwischen 1.200 und 1.565 Metern; das Grubenfeld umfasste 285 Quadratkilometer. Zuvor arbeiteten in Hamm vier eigenständige Zechen: de Wendel in Pelkum ab 1901, Maximilian in Werries ab 1902, Radbod in Bockum-Hövel ab 1905 und Sachsen in Heessen ab 1912. Die gesetzliche Bergschadensvermutung nach § 120 BBergG greift im Einwirkungsbereich eines Bergbaubetriebs – sie gilt allerdings ausdrücklich nicht, wenn ein Baumangel als Ursache in Betracht kommt. Ob ein Grundstück im Einwirkungsbereich liegt, beantwortet die Bezirksregierung Arnsberg grundstücksbezogen für 30 Euro.
Hamm hat eine ungewöhnliche Dichte an erhaltenen Werkssiedlungen. Die Alte Kolonie Radbod entstand 1906 bis 1913 nach Plänen von Karl Siebold mit rund 1.700 Werkswohnungen; elf Einfamilienhäuser am Zechenbahnweg wurden 1994 unter Schutz gestellt. Der Isenbecker Hof in Herringen, 1922 bis 1928 von Adolf Salfeld für die Zeche de Wendel errichtet, steht seit 2011 für die Dortmunder Straße unter Denkmalschutz. Die Siedlung Vogelsang in Heessen von 1920/21 nach Entwurf von Alfred Fischer wurde 1995 in die Denkmalliste eingetragen und vollständig denkmalgerecht saniert. Für Vorhaben an der Haustechnik in diesen Beständen sind Aufstellorte, Leitungsführungen und Fassadeneingriffe entsprechend abzustimmen.
Denkmalliste der Stadt Hamm, Stand 05.11.2025; RVR, Interkommunales Handlungskonzept Siedlungskultur
6. August 2023: 1.070 Notrufe an einem Nachmittag
Am 6. August 2023 fielen ab etwa 15 Uhr über 50 Liter Niederschlag je Quadratmeter in wenigen Stunden. Die Feuerwehr Hamm verzeichnete über 300 Einsätze und 1.070 Notrufe; rund 300 Einsatzkräfte waren im Einsatz, unterstützt von Feuerwehren aus Kamen, Bergkamen und Werl sowie vom THW. Betroffen waren vollgelaufene Keller und Tiefgaragen sowie überflutete Straßen und Unterführungen, besonders an der Warendorfer Straße, am Nordenstiftsweg und an der Günterstraße. Die Stadt stellt Starkregengefahrenkarten für das gesamte Stadtgebiet in drei Szenarien bereit – seltenes Ereignis, außergewöhnliches Ereignis und Extremregen.
Feuerwehr Hamm, Einsatzbilanz 06.08.2023; Starkregengefahrenkarten der Stadt Hamm
Örtliche Vorschrift
Rückstausicherung in Hamm
§ 5 der Abwassersatzung der Stadt Hamm vom 13.12.2018
Gegen den Rückstau des Abwassers aus der Abwasseranlage hat sich jeder Grundstückseigentümer selbst zu schützen. Räume und Einlässe unterhalb der Rückstauebene müssen nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik gesichert sein; die Sicherung muss jederzeit zugänglich und selbstüberwachbar sein.
Rückstauebene
In Hamm gilt als Rückstauebene die Straßen- beziehungsweise Geländeoberkante über der direkten Verbindung des Anschlusses zur Abwasseranlage.
Haftung
Das öffentliche Kanalnetz umfasst rund 785 Kilometer und wird vom Lippeverband betrieben. Die Verantwortung für die private Grundstücksentwässerungsanlage liegt beim Eigentümer.
Wo wir arbeiten und wer zuständig ist
Stadtteile und Bezirke
Hamm-Mitte
Herringen
Bockum-Hövel
Heessen
Pelkum
Uentrop
Rhynern
Wiescherhöfen
Gutachten und Planprüfungen übernehmen wir auf Anfrage auch bundesweit.
Zuständige Bauaufsicht
Amt für Bauordnung und Immissionsschutz der Stadt Hamm, untere Bauaufsichtsbehörde
Als kreisfreie Stadt ist Hamm selbst untere Bauaufsichtsbehörde; obere Bauaufsichtsbehörde ist die Bezirksregierung Arnsberg.
Häufige Fragen aus Hamm
Unser Haus steht in Herringen und zeigt Risse. Ist das Bergsenkung?+
Der Bereich wird im amtlichen Kommunensteckbrief als bergsenkungsgeprägt bezeichnet – das ist ein belastbarer Ausgangspunkt, aber keine Feststellung für Ihr Gebäude. Die gesetzliche Bergschadensvermutung nach § 120 BBergG greift nur im Einwirkungsbereich und gilt ausdrücklich nicht, wenn ein Baumangel als Ursache in Betracht kommt. Wir prüfen, ob das Schadensbild technisch zu einer Bodenbewegung passt, und dokumentieren den Zustand so, dass er für die weitere Klärung verwertbar ist.
Wie melde ich einen vermuteten Bergschaden?+
Über das Bergschaden-Service-Center der RAG, kostenlose Hotline 0800 27 27 271, montags bis freitags von 8 bis 14 Uhr. Sachverständige Mitarbeiter der RAG prüfen, ob die Schäden auf bergbauliche Einwirkungen zurückzuführen sind. Eine grundstücksbezogene Auskunft zur bergbaulichen Situation erteilt die Bezirksregierung Arnsberg gegen eine Pauschale von 30 Euro.
Nach dem Starkregen 2023 lief unser Keller voll. Wer haftet?+
Nach § 5 der Hammer Abwassersatzung hat sich jeder Grundstückseigentümer selbst gegen Rückstau zu schützen. Ob ein Anspruch gegen Dritte besteht, hängt davon ab, ob die Sicherung vorhanden und fachgerecht ausgeführt war oder ob ein anderer Umstand ursächlich war – etwa ein Mangel am öffentlichen Kanal. Wir stellen den technischen Sachverhalt fest, die rechtliche Bewertung nimmt ein Rechtsbeistand vor.
Wir planen eine neue Heizung in einer denkmalgeschützten Siedlung.+
Dann sollte vor der Auslegung geklärt sein, welche Auflagen gelten. In Hamm stehen mehrere Zechensiedlungen unter Schutz, darunter Teile der Kolonie Radbod, der Isenbecker Hof an der Dortmunder Straße und die Siedlung Vogelsang in Heessen. Aufstellort der Außeneinheit, Leitungsführung und Fassadendurchdringungen sind dort nicht frei wählbar – das beeinflusst die technische Lösung erheblich.
Sie haben in Hamm Risse unklarer Ursache, einen Rückstauschaden oder ein Vorhaben in einer denkmalgeschützten Siedlung? Wir stellen fest, was technisch vorliegt – nachvollziehbar dokumentiert und ohne vorschnelle Zuordnung.
Ihre Situation in Hamm kurz schildern
Zwei Angaben genügen. Wir sagen Ihnen, ob und wie wir helfen können, was das kostet und wie schnell es geht.